Augen und Sehen

Nah- und Fernsicht

Damit wir Objekte in unterschiedlicher Entfernung scharf sehen können, muss die Augenlinse für die entsprechende Entfernung scharf gestellt werden. Beim Blick in die Nähe geschieht dies durch eine zunehmende Wölbung. Beim Blick in die Ferne ist die Linse flacher und lenkt das Licht weniger ab. Dies geschieht unwillkürlich – wir haben darauf keinen Einfluss.

Die Anpassung der Linse für den Blick in die Nähe wird Akkommodation genannt. Sie wird durch einen ringförmig um die Linse angeordneten Muskel hervorgerufen, der sich zusammenzieht und damit die Linse dicker werden lässt. Wenn sich der Muskel wieder entspannt, wird sie flacher.

Farben sehen

Für das Sehen bei Nacht sind im Auge Sinneszellen mit dem Namen Stäbchen zuständig. Mit ihnen ist die Unterscheidung von Hell und Dunkel möglich. Stäbchen können keine Farbtöne unterscheiden. Im Volksmund heißt es deshalb auch, dass in der Nacht alle Katzen grau seien.

Von den Zapfen, die für das Farbsehen am Tag zuständig sind, gibt es drei verschiedene Arten, die jeweils einen Farbbereich des Lichts erfassen. Eine Zapfenart ist für die Farbe Blau, eine andere für die Farbe Grün und die dritte für die Farbe Rot empfindlich. Die Kombination dieser drei Zapfentypen ermöglicht die Erkennung aller Farbtöne. Ist ein Gegenstand z.B. gelb, werden der rotempfindliche und der grünempfindliche Zapfen aktiviert.

Fehlsichtigkeit

Kurzsichtigkeit

Menschen mit Kurzsichtigkeit (Myopie) sehen in der Nähe besser als in der Ferne. Woran liegt das? Die optische Wirkung von Hornhaut und Linse ist bei Kurzsichtigen zu stark. Blickt ein Kurzsichtiger in die Ferne, dann treffen sich die Lichtstrahlen schon zu früh – in einem Punkt noch vor seiner Netzhaut. Auf den Sinneszellen der Netzhaut entstehen deshalb unscharfe Bilder. Mit einem Minus-Brillenglas wird die zu starke optische Wirkung des Auges ausgeglichen. Mit Brille können Sie optimal in Ferne und Nähe sehen.

Weitsichtigkeit

Menschen mit Weitsichtigkeit (Hyperopie) sehen in der Ferne besser als in der Nähe. Wie kommt es dazu? Die optische Wirkung von Hornhaut und Linse ist bei Weitsichtigen zu schwach. Bei einem Blick in die Ferne treffen sich die Lichtstrahlen rein rechnerisch erst in einem Punkt hinter der Netzhaut. Auf den Sinneszellen der Netzhaut entstehen dadurch unscharfe Bilder. Diese Unschärfe kann vom Weitsichtigen teilweise über eine Anpassung der Linse (Akkommodation) ausgeglichen werden. Mit Hilfe eines Plus-Brillenglases wird die zu schwache optische Wirkung des Auges ausgeglichen. Mit Brille können weitsichtige Menschen optimal in Ferne und Nähe sehen.

Hornhautverkrümmung

Menschen mit Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) erscheint im Extremfall eine betrachtete Kugel elliptisch wie ein amerikanischer Football. Einfallendes Licht wird von Hornhaut und Linse des Auges in Höhe und Breite unterschiedlich stark abgelenkt. So kommt es zu einem unscharfen und eventuell verzogenen Bild. Abhilfe schaffen torische Brillengläser, die die unterschiedlichen Krümmungen der Hornhaut bzw. der Linse berücksichtigen.

Alterssichtigkeit

Die Alterssichtigkeit (Presbyopie) zählt nicht zu den klassischen Fehlsichtigkeiten. Es handelt sich vielmehr um die natürliche Alterung der Augenlinse, die sich bei Menschen ca. ab dem 40. Lebensjahr auswirkt. Bei Alterssichtigen verhärtet und vergrößert sich die Linse, ihre Elastizität lässt nach. Die Einstellung des Auges auf nahes Sehen erschwert sich und es kommt zu Problemen vor allem beim Lesen und Arbeiten im Nahbereich. Welche Auswirkungen Alterssichtigkeit zusammen mit einer Fehlsichtigkeit haben kann, zeigt Ihnen das Bild oben. Alterssichtigkeit können Sie grundsätzlich mit einer separaten Lesebrille ausgleichen. Eine komfortablere Lösung bieten Ihnen Mehrstärken- und Gleitsichtgläser: Sie benötigen keine zusätzliche Brille.

Augenkrankheiten

Grüner Star

Zu den normalen Vorgängen im Auge gehört die Bildung des Kammerwassers. Es dient als Transportmedium für Nährstoffe im Auge. Durch die Zirkulation des Kammerwassers wird ein konstanter Druck im Inneren des Auges aufgebaut. Beim Grünen Star (Glaukom) ist der Abflussmechanismus des Wassers verstopft und der Augeninnendruck steigt an. Durch den Druck wird der Sehnerv abgeschnürt. Das Gesichtsfeld wird von außen her immer kleiner. Sind die Nervenfasern abgestorben, gibt es keine Möglichkeit mehr, die Sehkraft wieder herzustellen. Daher ist es wichtig, diese Krankheit bereits im Frühstadium zu erkennen. Grüner Star ist zum Teil erblich. Wenn er bereits in Ihrer Familie aufgetreten ist, sind regelmäßige Voruntersuchungen besonders wichtig.

Grauer Star

Der Graue Star (Katarakt) ist eine Trübung der Linse des Auges, die sich bei 99% der über 65-Jährigen findet. Die gräuliche Trübung der Linse wird als Schleier oder Vorhang wahrgenommen, der mit der Zeit immer dichter wird. Diese Trübung wird durch Veränderungen im Inneren der Linse hervorgerufen. Die Folge dessen kann eine erhöhte Empfindlichkeit gegen Blendung, Veränderung der Fehlsichtigkeit und – im fortgeschrittenen Stadium – sogar Erblindung sein. Da eine bereits bestehende Trübung der Linse nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, wird die Linse bei einer Kataraktoperation vollständig entfernt und durch eine künstliche Linse ersetzt.

Makuladegeneration

Die weitaus häufigste Form ist die senile oder altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Durch die geänderte Altersstruktur hat der Anteil der davon betroffenen Menschen deutlich zugenommen. Die AMD ist in den Industriestaaten Hauptursache der Erblindung bei über Fünfzigjährigen. Ausgangspunkt der Krankheit ist nicht das Nervengewebe der Netzhaut, sondern seine Unterstützungsstrukturen, das retinale Pigmentepithel (RPE), die Bruch-Membran und die Aderhaut. Zur frühzeitigen, überschlägigen Diagnostik eignet sich der Amsler-Gitter-Test, der auch von den Patienten selbst durchgeführt werden kann. Darüber hinaus ist eine detaillierte Untersuchung des zentralen Gesichtsfeldes mittels Perimetrie angezeigt.

Netzhautablösung

Netzhautablösung (Amotio retinae) ist eine schwere Erkrankung, die bis zum Erblinden führen kann. Wenn die Netzhaut durch Verletzungen, Entzündungen oder starke Kurzsichtigkeit eingerissen wird, dann kann sie sich von ihrer Unterlage ablösen. Die Sehzellen auf der Netzhaut sterben ab oder funktionieren nur noch eingeschränkt. Netzhautablösung äußert sich oft in Form eines grauen Schleiers oder dunklen Vorhangs vor dem Auge. Ganz frühe Warnsignale, die auf die Krankheit hindeuten können, sind nicht nachvollziehbare Wahrnehmungen wie Funken, Blitze, ‚Mücken‘ oder ‚Aschenregen‘. In diesem Fall empfehlen wir einen sofortigen Besuch Ihres Augenarztes. Netzhautablösung kann mit Lasertechnik behandelt werden.